Taro (Opium von Lexow)

Taro war keine Zufallsanschaffung wie z.B. Quincy, aber auch nicht wirklich geplant wie Jason. Schon lange liebäugelte ich mit einem Riesenschnauzer, aber ich habe nicht geglaubt dass es dann so schnell wahr werden sollte.

Anfang Dezember 2006 bekam ich eine e.- Mail von Jasons Züchterin Manuela Lohr, sie fragte ob ich immer noch von einem Riesen träumen würde. Sie schrieb dass sie einen tollen, verträglichen Rüden für mich hätte. Da ich aber Bedenken wegen unserer anderen beiden Rüden hatte, lehnte ich zunächst ab. Doch der Riese ging mir nicht aus dem Kopf und je länger ich mich damit beschäftigte, um so sicherer wurde ich dass es doch geht.

Dann, einige Tage später mitten in der Nacht, stand es für mich fest, ich mußte diesen Hund einfach haben. In Gedanken räumte ich alle Einwände aus dem Weg, trotzdem wußte ich, dass mein größtes Problem unser Jason war. Er ist zwar kein Monster aber super eifersüchtig und besitzergreifend. Das hatte auch schon mit Quincy zu kleineren Reibereien geführt. Dennoch war ich nun fest entschlossen auch dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Am 19.12.06 war es dann endlich soweit, wir fuhren zum zweiten Mal Richtung Mecklenburg- Vorpommern um einen neuen Hund abzuholen. Die Aufregung war groß, das Wetter miserabel, es regnete Bindfäden und die Fahrt schien kein Ende nehmen zu wollen. Dann waren wir endlich da und schon von Draußen konnten wir sie sehen, da tobte mein "Kleiner" mit seinem Bruder durch den Auslauf. Mit lautem Geknurre und wildem Geraufe tobten sie auf der Wiese rum, zwei recht große schwarze Fellknäule, die jeder für sich schon 40 kg auf die Waage brachten.

Mit einem kurzen Seitenblick konnte ich sehen wie Pascal immer blasser wurde, ich hatte den Fehler begangen immer nur von unserem "Kleinen" zu Reden, mit dem was er da jetzt sah hatte er wohl nicht gerechnet. Sie waren 10 Monate alt, und für jemanden der mit großen Hunden nur wenig Erfahrung hat, schon jetzt einigermaßen Respekt einflößend. Mit diesem Anblick mußte er sich erstmal vertraut machen. Ohne lange zu Überlegen stürtzte ich mich sofort in dieses Getümmel und war total hin und weg von den Beiden. Mal knuddelte ich den Einen, mal den Anderen und innerhalb von zwei Minuten sah ich aus als ob ich aus einer Schlammkuhle gekrochen wäre. Es hatte auch in der Zwischenzeit noch nicht einmal aufgehört zu Regnen, aber da ich mich kenne hatte ich vorsorglich schon vor der Fahrt Hundeklamotten angezogen.

Das erste Zusammentreffen mit unserem "Neuen" und Jason verlief nicht ganz so glücklich. Obwohl Jason, wenn er frei läuft, noch nie eine Rauferei hatte, stürzte er sich sofort auf den jüngeren Riesen, und verteilte erst mal kräftig. Quincy interessierte sich zunächst nicht sonderlich für den Großen, nach einem kurzen Beschnüffeln war die Sache für ihn erledigt. In meinem unerschütterlichen Optimismus war ich aber überzeugt das Jason die neue Situation schon akzeptieren würde. Später sollte sich dann zeigen dass es nicht so einfach war wie ich es mir gedacht hatte.

Taro, wie wir den kleinen Riesen tauften, hat ein gutes Sozialverhalten. Er machte das was ein Hund seines Alters machen sollte, er ordnete sich unter und beschwichtigte. Er war total süß, verschmust und verspielt, ständig schleppte er irgendein Spielzeug an und wollte unsere Aufmerksamkeit. Später am Abend wurde Taro dann geschoren und chic gemacht, da konnte ich dann zum erstenmal sehen dass er nicht nur süß sondern auch noch sehr schön ist. Mein Glück war perfekt, genau so stellte ich mir meinen Riesen vor.

Die Züchterin hatte uns eingeladen über Nacht zu bleiben, so hatten wir Gelegenheit uns am nächsten Tag etwas vertrauter zu machen mit Taro. Wir gingen mit ihm und seinem Bruder spazieren, spielten und beobachteten ihn. Nachmittags traten wir dann die lange Heimreise an, es waren immerhin gute 600 km die wir zu fahren hatten. Pascal mit gemischten Gefühlen, Jason sichtlich grantig, Quincy wie immer, mit sich und der Welt zufrieden, Taro ein wenig verschreckt durch all das Neue, und ich mit rosaroter Brille was unser zukünftiges, harmonisches Familienleben betraf.

Es kam wie es kommen mußte, nämlich ganz anders als erhofft. Meine Befürchtungen, die ich so gut zur Seite geschoben hatte, bestätigten sich. Jason nahm keine Rücksicht auf mein Harmoniebedürfnis und entpuppte sich in der Wohnung nun doch als kleines Monster. Er ließ sich keine Gelegenheit entgehen um Taro heftig zu attackieren. Es war eine sehr schwierige Situation, die ersten 6 Wochen schlief ich mit Taro im Wohnzimmer, ich auf dem Sofa und er davor.



Nur 6 Jahre alt durftest Du werden, gute 5 Jahre davon hast Du unser Leben bereichert.
Ich danke Dir für diese unvergessliche Zeit!

Nun sind es schon fast 5 Monate dass Du nicht mehr bei mir bist, aber mein großer Junge Du fehlst mir noch immer so sehr!

Opium von Lexow
WT: 18.02.2006
HD A1, V, AD - BH - Wesenstest,
Landesmeister BH Rheinland 2009
Rheinland-Sieger 2010
LG- Meister Rheinland 2011
2000m Gl und VK1
   >>> Ahnentafel Taro<<<

Als Taro im Alter von 10 Monaten zu uns kam, kannte er nichts anderes als seinen Zwinger. Taro mußte in seinem neuen Zuhause viel lernen denn sein Leben sah nun so ganz anders aus als er es bisher gewohnt war. Sehr schnell lernte er mit den neuen Gegebenheiten klar zu kommen, er wurde mit jedem Tag sicherer. Mindestens einmal am Tag ging ich mit Taro ohne die anderen Hunde raus, um mich wirklich ausschließlich um ihn kümmern zu können. Wir gingen an stark befahrenen Straßen entlang, oder in die Fußgängerzone, die ihn doch sichtlich beeindruckte. Die Mühe hat sich gelohnt, bis auf einige wenige Situationen bewegt sich Taro inzwischen recht sicher im normalen Alltag.
Die Arbeit mit ihm auf dem Hundeplatz gestaltet sich etwas schwieriger. Da Taro ja auch noch keinen Hundeplatz kannte, begann ich mit ihm wie mit einem Welpen. Gewöhnung an den Platz, Bindungsarbeit und viel Spiel.
Im Zwinger und auch bei uns Zuhause trug er zwar immer irgend etwas herum, aber richtig spielen konnte er nicht. Es mangelte ihm an Konzentrationsfähigkeit, so dass ich die Übungseinheiten immer sehr kurz hielt, dafür dann aber zweimal am Tag auf den Platz mit ihm ging. Die Kommandos "Sitz", "Platz" und "Fuß" lernte er dann auch recht schnell. Ein Problem war es immer Taro bei Laune zu halten und ihm ein bischen Spaß an und bei der Arbeit zu entlocken. Er wirkte immer sehr passiv und lustlos, weder mit Spielzeug noch mit Leckerchen konnte ich Taro wirklich motivieren. Dieses Verhalten zeigt sich auch bei der Fährtenarbeit, an manchen Tagen gibt er sich richtig Mühe, und schon beim nächsten mal hängt er wieder total durch. Der Schutzdienst verläuft auch nicht viel anders. Auch hier fehlt die wirkliche Motivation, mal arbeitet er mit und mal halt eben nicht.

Nun sind schon 3 Jahre vergangen seit ich das Obige geschrieben habe und es hat sich einiges verändert.
Taro läuft inzwischen eine wirklich schöne Unterordnung und ist damit 2009 sogar Landesmeister Rheinland geworden. Schutzdienst und Fährte trainiere ich nicht mehr mit ihm, dort fehlt Taro nach wie vor jeglicher Ehrgeiz.

Unsere Hunde
Taiga
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Mike